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Über uns

Die Schöpfer

Die Knöpfe

Tod auf Knopfdruck – Eine Lebensgeschichte


Die Schöpfer

markus

Markus Peyerl / markus@todaufknopfdruck.at / Text / Photoshop / Web

anna

Anna Panzenberger / anna@todaufknopfdruck.at / Zeichnung / Photoshop


Die Knöpfe

0

Name: 0

Gefertig: 10. April 1969

Lebenslauf: 0 wurde als Sohn zweier Notausschalter im General-Motors-Werk Aspern gefertigt. Schon früh war sein Lieblingswort “Nein”, auch mit dem Besuch einer katholischen Knopf-Hauptschule in Wien konnte sein Lebenswille nicht geweckt werden. Er versuchte sich nach der Studienberechtigungsprüfung kurz in Philosophie, brach das Studium jedoch ab und arbeitete als Teilzeitkraft als Lichtschalter in der Geisterbahn. Von dieser Erfahrung noch weiter traumatisiert, meldete er sich beim AMS funktionslos. Er wurde dort an die Firma Otis vermittelt und arbeitet jetzt als Aufzugsknopf. Er ist zuständig für das Erdgeschoß, wäre aber lieber schon tot.

Besondere Merkmale: Augenringe, negative Lebenseinstellung, vollkommene Spaßresistenz

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1

Name: 1

Gefertig: 28. August 1977

Lebenslauf: 1 wurde als dreiundvierzigster Sohn seiner Sozialhilfe empfangenden Eltern gefertigt. Schon während seiner Schulzeit hatte er nicht viel Lust am Lernen. Viel lieber trieb er sich mit seiner Gang in ihrem Gemeindebau umher und verdrosch jeden Knopf der kleiner war als er selbst. Selbige Tätigkeit brachte ihm recht bald einen Gefängnisaufenthalt ein, in dessen Verlauf er eine Umschulung zum Klospülungsauslöser begann. Trotz seiner erworbenen Kenntnisse auf diesem Gebiet konnte er aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit in der Arbeitswelt nicht Knopf fassen. Auch seine drei Ehen scheiterten und hinterließen ihm nur ungeöffnete Zahlungsaufforderungen. Den Job im Aufzug verschaffte ihm ein alter Zellenkollege, einer, den er nie leiden konnte.

Besondere Merkmale: Dreitagebart, vulgärer Dialekt, Machogehabe

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2

Name: 2

Gefertig: 11. Jänner 1981

Lebenslauf: 2 wurde als Sohn einer alkoholkranken Autohupe und eines gewalttätigen Teaserabzugs gefertigt. Bereits kurz nach seiner Geburt war klar: Er ist anders als die anderen Knöpfe. Seine geistige Fähigkeiten sind auch nach fünfzehn Jahren integrativer Sonderschule nicht sonderlich besser geworden, auch die ihm verschriebenen Knopfopharmaka zeigen auch heute kaum Wirkung. Aufgrund mangelnder gesetzlicher Bestimmungen konnte er eine zeitlang als Reset-Taste in einem urkainischen Atomkraftwerk auf seinen Rückbau warten, schlussendlich landete er aber über Umwege als Ersatzknopf im Werkzeugkoffer eines österreichischen Aufzugstechnikers, der ihn mangels Alternativen und aufgrund einer keifenden Hausmeisterin wider besseren Wissens doch einbaute.

Besondere Merkmale: leicht dämlicher Gesichtsausdruck, sinnlose Wortspenden, Augenbrauen

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3

Name: 3

Gefertig: 28. November 1987

Lebenslauf: 3 wurde nicht gefertigt, er wurde durch die Energien des Universums in seine jetzige Form geschmiedet. So zumindest die Version seiner Eltern. über sie ist nicht viel bekannt, außer ihr mittelschwerer Hang zur Esoterik. Wenig verwunderlich daher, dass 3 mit der Welt der Tatsachen nicht viel anfangen kann. Er lebt lieber im Moment, in einer Woge aus Sternenstaub. Leider kann diese weder gegessen, noch getrunken werden, was letzten Endes dazu führte, dass 3 doch irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen musste. Besser gesagt, fünfzig in zwei Jahren. Kein Arbeitsverhältnis hielt länger als zwei Tage, beim AMS hat er sein eigenes Kaffeehäferl. Auch der Aufzug war nichts für ihn, ein Ersatz war nirgenst zu finden. Also reist 3 in der Welt herum, immer dort, wo die drohende Streichung der Notstandshilfe ihn hinführt.

Besondere Merkmale: Orangene Haare, ääähhh, Grübchen im Kinn

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4

Name: 4

Gefertig: 05. Oktober 1988

Lebenslauf: 4 wurde in die guten Verhältnisse einer Akademikerfamilie hinein gefertigt. Sein Vater war der Rufknopf in der Gegensprechanlage des Generaldirektors der OMV, seine Mutter erlangte als “Ein”-Schalter des Taschenrechners von Anton Zeilinger zu Weltruhm. 4 selbst interessierte sich schon früh für Kunst und deshalb war es kaum verwunderlich, dass er nach mit Auszeichnung bestandener Matura deren Geschichte studierte. Derzeit befindet er sich im 3. Semester, hat aber bis jetzt noch keine Prüfung absolviert. Aus einem einfachen Grund: Er beschäftigt sich viel lieber damit, sein Barett auszuführen und in den höheren Knopfkreisen mit seinem Halbwissen zu brillieren. Seit einer kürzlich von seinen Eltern durchgeführten Taschengeldkürzung kann er sich jedoch weder seine tägliche Tofu-Ration, noch sein Bio-Joghurt am Abend leisten, was letzten Endes dazu geführt hat, dass er sich in die Niederungen körperlicher Arbeit hinab begeben musste, wie er sein teilzeitliches Aufzugsknopfdasein gern beschreibt.

Besondere Merkmale: Barett, Zigarette, Überheblichkeit

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not

Name: Notrufsknopfdame

Gefertig: 19. Juli 19??

Lebenslauf: Über die Herkunft der Notrufsknopfdame ist nicht viel bekannt. Werder ihr genaues Fertigungsdatum, noch ihr Fertigungsort, noch die Namen ihrer Eltern will sie öffentlich bekannt geben. Sie hat nämlich schreckliche Angst, ihr Alter könnte aus diesen Daten irgendwie errechnet werden. Weiters steht sie auf Altoma-Magazine, hat eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit bei den Umfang-Watchers und träumt insgeheim von einem älteren Liebhaber mit Unmengen an Geld. Da sich ihre Tätigkeit nur auf Notfälle beschränkt, hat sie wenig zu tun, redet dafür aber umso lieber. Doch aufgrund ihrer naiven Lebenseinstellung beruht das nicht immer auf Gegenseitigkeit.

Besondere Merkmale: Roter Lippenstift, lange Wimpern, Glockenform


Tod auf Knopfdruck – Eine Lebensgeschichte

Alles begann im Zwischenraum. Und zwar genau in dem Zwischenraum, der in einem für Annas Studienabschluss benötigten Seminar an der Kunstuni in Linz als Thema vorgeschrieben war. Der Zwischenraum also. Ja. Gut. Aber was jetzt genau? Und vor allem wie?

Zum Glück war Markus zu diesem Zeitpunkt bei einer großen Versicherung angestellt, was ein eher ungesundes Maß an Kaffekonsum in sich barg. Im 6. Stock stand der Automat dafür, zum stufenlosen Erreichen war ein Lift installiert. Ein Lift jedoch, dessen Lichtschranke ein gewisse Altersmüdigkeit nicht abzusprechen war und deren Trägheit den Transport von prall gefüllten Plastikbechern zu einer heiklen Angelegenheit machte. Tür geht zu, Markus mitten drin, ein Rempler des Metalls und hurra: Braune Flecken auf der Kleidung. Überall. Was haben wir nicht gelacht. Daheim dann.

Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass dem “Tür öffnen”-Knopf vom von einer Flasche Wein leicht benebelten Denkapparat die Hauptschuld angelastet wurde. Aber Aufzugsknöpfe mit Bewusstsein samt diverser Persönlichkeitseigenschaften? Niemals. Schwachsinn. Und am Ende: Warum nicht? Also ran an den Stift, Anna!

Doch Punk, Hippie oder Snob? Und welche Eigenschaft für wen? Eine schwierige Frage. Und noch dazu langwierig. Hier zur Verdeutlichung ein gaaanz kleiner Ausschnitt aus der daraus folgenden Knopfevolution:

knopfevolution

Nicht alle überlebten diese Prozedur. Die Opfer: Der Erdgeschoßknopf, das Mezzanin und auch der fünfte Stock segneten das Zeitliche. Viel wichtiger war für uns aber, die endlich die erste Geschichte zu Papier zu bringen. Und da der Knopf meistens nicht weit von der Wandhalterung fällt, kam es so, wie es kommen musste. Es folgte der erste, schlampige Entwurf des schon oben erwähnten Kaffee-Missgeschicks:

kaffee

So weit, so gut. Des ersten Strips musste ja zwangsläufig ein zweiter folgen. garfield Da jedoch die Welt da draußen mit weiteren Aufzugsgeschichten geizte, mussten wir uns die Inspiration zwangsläufig woanders suchen. Und wie das Schicksal so spielte, landeten wir bei einem Klassiker: Garfield. Mit Aufzug. Super. Und mit liftfahrenden Mäusen ein weiterer Schritt weg von dem, was in den Schulbüchern steht. Also wieder einmal hieß es: Ran ans Werk. Nur: Es wurde uns schnell klar, dass irgendetwas fehlt. Zwar waren die Mäuse in ihrer ganzen Süßlichkeit recht niedlich anzuschauen, doch wir brauchten noch etwas für Erwachsene. Schließlich war ja auch ein Aufzug allein noch zu wenig Zwischenraum und außerdem bestand zugleich irgendwie die Möglichkeit uns den Raub geistigen Eigentums vorzuwerfen, sollten wir uns die Keksdosenidee einverleiben. Doch nichtsdestotrotz hier noch ganz kurz das Ergebnis mit freundlichem Dank an Herrn Davis:

mause

So kamen wir also auch nicht viel weiter. Es folgte, wie so oft, eine Eingebung TV-technischer Herkunft. tod “Germany’s Next Topmodel” sei Dank, besser gesagt, Heidi Klum. Denn selbst im malerischsten Studiolicht wirkt ihr ausgemergelter Kopf fast so wie ein Totenschädel. “Ja, das ist es”, meinte Markus, “stell dir vor, der Tod steigt in den Aufzug, nimmt die Kapuze ab und ist die Heidi. Das glaubt uns jeder sofort”. Die Idee blieb zwar noch sehr, sehr unausgereift, aber eines war jetzt bereits klar: Der Mann mit der Sense muss her. Schließlich liegt ja zwischen Leben und Tod auch ein kleiner zeitlicher Zwischenraum, in dem der Gevatter in der schwarzen Kutte mit seinem Schneidewerkzeug für den fließenden Übergang sorgt. Quasi zum Ausholen und Kehle durchschneiden. Genau. Und schließlich wird sich so ein Tod ja nicht zu Fuß in den fünften Stock schleppen, um dort irgendjemand aus seinem Herzinfarkt zu erlösen, wenn ein Aufzug zur Verfügung steht. Was natürlich auch noch einen zweiten Vorteil hatte. Mit dem liftfahrenden Tod, sprechenden Aufzugsknöpfen und Heidi Klum waren wir schon so weit von dem Rest der Welt entfernt, dass wir uns eigentlich alles erlauben konnten. Egal was, egal wie. Immerhin war die Szenerie so ohnehin schon unglaubwürdig. Und von einer falschen Annahme, kann man auch in der Mathematik prinzipiell auf alles schließen. Was wiederum bedeutet, es ist eigentlich egal, dass der/die Tod(e) dauernd auf die selben Knöpfe treffen. Es gibt ja eh keine Regeln. So oder so ähnlich haben wir das auch in einer in fünf Minuten zusammengepfuschten Bewerbungstext für die “Best Off”-Ausstellung in Linz zusammengefasst, deren Verantwortliche sich aus unerfindlichen Gründen nie mehr bei uns gemeldet haben:

Der Aufzug: ein Zwischenraum. Zwischen Stockwerken, zwischen Lebenswelten, zwischen meterdickem Beton. Trotzdem: ein Lebensraum. Vor allem von Aufzugsknöpfen. Egal, ob Wiener Prolet, hochgeistiger Kunstfetischist oder naive Weight-Watcherin, Bewegung heißt Leben. Damit nicht genug: Auch das Gegenteil hat in zwei mal zwei Metern Platz. Namentlich: der Tod. Doch anstatt das Ableben auf eine Singularität zu Komprimieren, beginnt der Prozess des Sterbens viel früher: mit dem Fax im Hauptquartier des Todes. Ähnlich des Einflussbereichs des einzelnen Postzustellungsbeamten hat auch die Lebensbeendigungsindustrie ihre Verteilungszonen. Denn was macht der Tod, wenn zwei Menschen gleichzeitig sterben. Arbeitsteilung ist die Devise. Und da die Sensenmänner vor allem in Großstädten einiges zu tun haben sollten, muss auch das Umbringen systematisch ablaufen. Vor allem aber schnell. Was dazu führt, dass auch der Tod gerne Lift führt. Das scheint auch ökonomisch einwandfrei. Nur dauernd allein im Aufzug zu stehen, motiviert vielleicht im Ansatz. Vielmehr ist Sterbebegleitung angesagt. Und das wiederum in Form von Aufzugsknöpfen. Klein, aus Plastik und vorlaut. Der perfekte Ersatz für lähmende Fahrstuhlmusik. Sowie dem Endeffekt kaum abgeneigt. Einfach ehrlich, einfach in den zweiten Stock, bitte. Denn das Stiegenhaus alleine wirkt oft trist und grau. Doch auch der Mann in Schwarz braucht Unterhaltung. Damit nicht auch noch die letzte Bastion der Menschlichkeit dem Burn-Out erliegt.

Fehlte also nur noch der letzte Schritt: Die Farbe. Strichzeichnungen, schön und gut, aber ein Tod ganz in weiß macht nicht sehr viel her. Doch auch dieses Unterfangen war schwieriger als vorerst angenommen. Zu viel war nicht gut, zu wenig hatten wir bereits. Hier trug wieder einmal Anna die Last des Versuchs. Denn glaubt uns: Der Zeichner erledigt bei Comics fast ganz allein die Drecksarbeit:

todfarbe

Zu guter letzt fehlte nur noch eine Publikationsmöglichkeit für unsere Geschichten und auf der befindet ihr euch gerade. Das heißt also, wir sind fast am Ziel, aber eigentlich “… to be continued”

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